Case Study – spektrumdirekt DIE WOCHE


Der Weg vom Web zur Zeitung

Generierung einer digitalen Wochenzeitung aus Webcontent

Die ungewöhnlichen Anforderungen der Onlineredaktion von Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft führte zu einer nicht alltäglichen Nutzung der Dynamic Publishing Software InBetween bei einem Verlagsprojekt. Gesucht wurde eine Lösung, mit der eine komplette Wochenzeitung für Leser möglichst zeitnah aus den Internetinhalten realisiert werden soll.


Titelseite spektrumdirekt


Bereits seit einigen Jahren stellte die Redaktion von spektrumdirekt PDF-Dateien als zusätzlichen Content auf ihrer Webseite zur Verfügung. Generiert wurden diese Dateien bislang mit HTML-Templates. Die ausgewählten Artikel wurden hintereinander in einem einfachen Layout ausgegeben, ohne dass Seitenlauf oder Layout verändert werden konnten. Es bestand allerdings keine Möglichkeit, den Seitenlauf oder das Layout zu verändern. Das Ergebnis sagte der Redaktion daher nicht zu.

Hauptprobleme waren insbesondere die Artikelüberläufe und -längen. Da online nicht auf Seitenumbrüche geachtet wird, mussten Artikel teilweise nachträglich gekürzt werden. Dies war Grund genug nach einer flexibleren Lösung zu suchen, welche die Redakteure nicht in ihrer Freiheit einschränkt.

Die entsprechenden Möglichkeiten lieferte InBetween. Die gleichnamige Software versetzte spektrumdirekt in die Lage, die bisherigen Abläufe zu vereinfachen und gleichzeitig die Qualität der Gestaltung wesentlich zu verbessern.

Eine neue Herausforderung

Zum damaligen Zeitpunkt gab es ein weiteres Projekt in der Verlagsgruppe, welches von der Redaktion und InBetween erfolgreich realisiert wurde. Zur Betreuung der Webseite wurde eine Lösung implementiert, die es erlaubt, aus den im Web-CMS vorgehaltenen Daten wie Firmenportraits und Unternehmenskennziffern vollautomatisiert eine hochwertige Imagebroschüre im PDF-Format zu erzeugen.

Die Herausforderung beim neuen Projekt war, einerseits durch Automatisierung die Zeit zwischen Redaktionsschluss und Distribution zu minimieren, andererseits die hohen gestalterischen Ansprüche der Publikation zu realisieren. Schnell stellte sich heraus, dass im Gegensatz zum ersten Projekt eine 100% Automatisierung nicht die optimale Lösung sein kann, da die hohen Ansprüche an ein Zeitungslayout ein abschließendes Finishing durch einen erfahrenen Grafiker notwendig machen. Die Lösung: InBetween erzeugt ein „offenes“ Dokument im Adobe InDesign Format, welches nach der Erzeugung direkt weiter bearbeitet werden kann. Hier erfolgt dann der letzte gestalterische Feinschliff bevor das fertige PDF Dokument erzeugt wird. Damit wird InBetween für spektrumdirekt seinem Namen wortwörtlich gerecht: es stellt ein Bindeglied zwischen Web-CMS und DTP-Software dar.

Eine Zeitung innerhalb weniger Stunden

Zunächst stellt ein Onlineredakteur freitagmorgens aus den Beiträgen der letzten Woche die Ausgabe zusammen. Dazu wählt er aus dem CMS diejenigen Artikel aus, die langfristig relevant sind, und bestimmt gleichzeitig die Reihenfolge. Die Artikel sind meist unterschiedlich lang. So können Hauptartikel durchaus bis zu drei Seiten füllen, während andere Artikel gerade mal auf eine halbe Seite passen. Analog zu einer Wochenzeitung wird durch die geschickte Kombination aus Hintergrundartikeln und Kurzmeldungen, mathematischen Rätseln, Buchrezensionen und Kommentaren ein breites journalistisches Spektrum abgebildet.


Konfiguration der Ausgabe im CMS


Nach der Zusammenstellung der Ausgabe durch den Redakteur werden die ausgewählten Artikel als XML-Datei exportiert und auf den Server gelegt. In InBetween wird dann nochmals eine Feinzuweisung zu den verschiedenen » Artikellayouts vorgenommen. Der Satz erfolgt dynamisch regelbasiert, so dass solcherart komplexe Publikationen kein Problem darstellen. Zudem basiert die Software auf dem Ansatz der konsequenten Formatneutralität. Die fertige Datei dient schließlich als Vorlayout, welches im InDesign-Format direkt an den Layouter weitergeleitet werden kann.

Im Layout wird für den notwendigen Feinschliff gesorgt, damit die Zeitung den hohen Ansprüchen genügt. So sollen beispielsweise nicht die Redakteure Bildgrößen und -positionen bestimmen. Deshalb werden die Bildergrößen vom System her pauschal eingebunden. Der Layouter hat dann die Aufgabe, Bild und Text unterschiedlich zu gewichten und Freiräume zu schaffen um das Auge des Lesers zu beruhigen.

Je nach Komplexität ist nach drei bis vier Stunden das Layout der meist etwa 20-seitigen Wochenzeitung fertig und wird als PDF ausgegeben. Jetzt muss der Redakteur nur noch gegenlesen und kontrollieren. Wenn nötig, wird das Layout in diesem Schritt noch einmal korrigiert. Anschließend wird das Produkt auf die Webseite gestellt und den Abonnenten per E-Mail zugesendet. Alles in allem ist die Ausgabe in weniger als einem Arbeitstag fertig gestellt.



Inhaltsseiten spektrumdirekt



Es geht noch weiter…

Die Lösung wird jedoch nicht nur für „DIE WOCHE“ genutzt, sondern auch für Sonderausgaben und Dossiers. Anlässlich eines Kongresses zum Thema Klimawandel wurde so innerhalb kurzer Zeit eine komplette Sonderausgabe erstellt, in einer Auflage von ca. 1000 Stück gedruckt und auf dem Kongress verteilt.

Der Vorteil der Lösung liegt somit auf zwei Seiten: Zum einen hat die Redaktion mithilfe von InBetween ein Produkt geschaffen, das neue Leser anzieht, die durchaus bereit dazu sind, für diesen hochwertigen Online-Content zu zahlen. Zum anderen liegt hiermit eine einfache Möglichkeit vor, in kürzester Zeit aus den Onlineinhalten Printpublikationen entsprechend der genannten Sonderausgaben zu schaffen.

Die Anforderungen und die Erkenntnisse aus dem Projekt stellten für InBetween einen wichtigen Input für die Produktweiterentwicklung dar, von dem auch Industriekunden profitieren. Da Kataloge vermehrt um redaktionelle Inhalte ergänzt werden (Stichwort: Magalog), wachsen in diesem Bereich die Anforderungen an ein redaktionelles Layout. „InBetween ist nun auch in der Lage, magazinähnliche Inhalte im Flusslayout ansprechend umzusetzen“, erklärt Alexander Dressler, Geschäftsführer InBetween Deutschland GmbH, die Potenziale für die Katalogerstellung.


Interview

Im Spannungsfeld: Digitaler Content bei Verlagen

Richard Zinken, Chefredakteur von „spektrumdirekt – die Wissenschaftszeitung im Internet“, gibt Einblicke in ein ungewöhnliches Projekt. Mit „DIE WOCHE“ werden Redaktionsbeiträge der Onlineredaktion in Form eines Printmediums den Lesern angeboten.

Herr Zinken, was ist das Besondere an Ihrem Webangebot?
Eine erfolgreiche Onlineplattform für aktuelle Nachrichten, wie sie etwa der Spiegel anbietet, hat für Verlage keinen tatsächlichen Mehrwert. Im Gegenteil, die Leser der Printmagazine wandern nur schneller zu dem Webangebot ab. Als Verlagshaus mit mehreren Printmagazinen verfügen auch wir schon seit zehn Jahren über eine Onlineredaktion, die täglich Artikel zu wissenschaftlichen Themen veröffentlicht. Anders bei uns ist aber, dass mit spektrumdirekt eine Onlinezeitung zur Verfügung steht, die als ein eigenständiges Produkt auch einer anderen redaktionellen Logik folgt.
Für spektrumdirekt schreiben wir journalistische Beiträge über wissenschaftliche Themen. Diese bieten wir unseren Lesern als kostenpflichtigen Dienst an. Das war vor zehn Jahren noch nicht ungewöhnlich, heute jedoch schon. Trotzdem oder gerade deshalb konnten wir damals schon einen recht guten Abonnentenstamm aufbauen, den wir erfreulicherweise in den letzten zehn Jahren auch halten konnten, ohne unter den Folgen einer Kanibalisierung leiden zu müssen. Dazu gehört selbstverständlich ein permanenter Ausbau unseres Angebots.

Um sich von kostenlosen Angeboten differenzieren zu können, bedarf es sicherlich eines besonderen Anreizes?
Es gibt zwei wesentliche Aspekte, die für uns wichtig sind: zum einen die Qualität und zum anderen der Service. Sicherlich profitieren wir bereits von dem Renommee des Verlags. Spektrum der Wissenschaft steht für Verlässlichkeit und hohe Qualität. Bezüglich des Services spielt unser neues Projekt „DIE WOCHE“ eine entscheidende Rolle. Es handelt sich hierbei um eine Wochenzeitung mit einer gut layouteten und gut lesbaren Auswahl der wichtigsten Onlineartikel. Diese werden nochmal aufgewertet und quasi als Printprodukt unseren Kunden zur Verfügung gestellt.
Der Mehrwert für den Leser sind die Meldungen mit längerfristiger Relevanz. Dazu gehören zum Beispiel nicht nur die Ereignisse selbst, worauf sich die meisten Onlineangebote beschränken, sondern auch Hintergrundfakten über Konsequenzen, Entstehung etc. Diese Selektion ist bereits eine Dienstleistung, die ein solches Produkt rechtfertigt. Eine zweite ist die deutlich bessere Lesbarkeit oder die Möglichkeit, die Zeitung bzw. einzelne Artikel auszudrucken und unterwegs oder zu Hause zu lesen. Unsere Abonnenten haben dies entsprechend sehr gut angenommen.

Ist „DIE WOCHE“ somit überhaupt noch als Onlineangebot zu werten?

Die Form, die wir für unsere Publikation gewählt haben, transportiert eine ganz andere Wertigkeit als andere Webangebote. Es handelt sich zwar nicht um ein Printmedium im herkömmlichen Sinne, da es nicht von uns gedruckt wird, es ist aber auch kein reines Onlinemedium. Der Kunde kann es zwar online abrufen, aber es ist nicht dem Korsett der schnellen Nachrichtenverbreitung ohne ansprechende Form unterworfen, das man bei Onlinepublikationen letztlich immer noch hat.

Schwimmen Sie damit nicht deutlich gegen den Strom?

Ja und nein. Bis vor Kurzem hätte ich dies behauptet, aber es gibt immer mehr Verlage, die einen ähnlichen Weg gehen. So erstellt zum Beispiel auch das Handelsblatt mittlerweile kostenpflichtige PDF-Dateien. Im Grunde genommen gibt es immer mehr Projekte, die diese Grauzone zwischen Print und Online ausfüllen.

Onlinemedien werden von vielen Verlagen immer noch als Bedrohung empfunden. Ist es für Sie ein Alleinstellungsmerkmal, wenn sie bewusst damit umgehen?
Ja, meiner Meinung nach zeigen wir einen Weg auf, der zumindest den Teil einer Lösung des Problems darstellt. Es gibt Gelegenheit, dem Leser zu veranschaulichen, was die Arbeit eines Verlages beinhaltet. Verlage erstellen Inhalte und selektieren Informationen. Sie übernehmen Arbeit für den Leser, indem Inhalte verständlich ausgedrückt und relevante Aspekte gefiltert werden.
Der große Vorteil des Wochenmagazins ist die Zusätzlichkeit. Wir lassen damit unsere Onlineleser nicht fallen, sondern bieten einen Mehrwert für Interessierte an, die bereit sind dafür zu zahlen. Weiterhin ist es ein Versuch, die Wertigkeit unserer redaktionellen Onlineinhalte zu erhöhen. Wir haben festgestellt, dass die Wahrnehmung dessen, was wir inhaltlich leisten, eng mit der Visualisierung zusammenhängt.
Sogar unsere Redakteure gehen hinsichtlich des Ziels Wochenzeitung ganz anders vor. Es ist schon ein Unterschied, ob ich eine Tagesmeldung für eine Webseite schreibe und gestalte oder für eine Wochenpublikation. Die Relevanz ist einfach höher.

Was ist für Sie als Chefredakteur das Spannende an dem Projekt mit InBetween?

Das Spannende an diesem Projekt ist zum einen die Aufwertung des redaktionellen Onlineproduktes und zum anderen die Möglichkeit, sehr schnell und effizient Themenspeziale zu produzieren und diese zu Eigenwerbezwecken zu verteilen. Es wird zumeist davon gesprochen, wie man seine Printinhalte online bekommt. Wir haben bei diesem Projekt die Logik umgekehrt. Für uns stellte sich bei Projektbeginn vor allem die Frage, wie wir unsere Onlineinhalte in ein Printmedium transferieren können.


Mit „DIE WOCHE“ werden Redaktionsbeiträge der Onlineredaktion von spektrumdirekt in Form einer Wochenzeitung den Lesern als PDF angeboten. Mithilfe der Dynamic Publishing Software InBetween kann die Aufgabe, Onlineinhalte redaktionell aufzubereiten und in ein entsprechend hochwertiges Layout zu überführen, innerhalb weniger Stunden realisiert werden. Zudem besteht für den Verlag die Möglichkeit, sehr schnell und effizient Themenspeziale zu produzieren und diese zu Eigenwerbezwecken zu verteilen.

Auf der Seite spektrumdirekt – Sonderausgaben können Sie sich fertig produzierte PDF-Ausgaben herunterladen und sich von der Leistungsfähigkeit der Lösung überzeugen.

Der Verlag Spektrum der Wissenschaft gibt die Zeitschriften „Spektrum der Wissenschaft“, „Gehirn&Geist“, „Sterne und Weltraum“ sowie „epoc“ heraus und informiert unter spektrumdirekt.de täglich aktuell aus der Wissenschaft. Darüber hinaus betreibt der Verlag das Wissenschaftsportal wissenschaft-online.de, die Wissenschaftsblogs scilogs.de und die Internethandlung science-shop.de.


Hier gibt es die Case Study zum Download